Hausgeburt

Vor allem Frauen, welche die Geburt als ein natürliches Ereignis betrachten und dieses in der gewohnten Umgebung erleben möchten, entscheiden sich für eine Hausgeburt. Oftmals spielt auch der Wunsch, dem Neugeborenen einen liebevollen Empfang in heimeliger Atmosphäre zu bereiten, eine wichtige Rolle. Obwohl verschiedene Studien und auch die WHO Hausgeburten kein höheres Geburtsrisiko als Klinikgeburten bescheinigen, kommen in Deutschland nur knapp zwei Prozent der Kinder bei einer geplanten Hausgeburt zur Welt.

Voraussetzungen für eine Hausgeburt

Wer zu Hause in gewohnter Umgebung gebären möchte, sollte spätestens bis zur 20. Schwangerschaftswoche eine Hausgeburtshebamme gefunden haben, bei der man sich wohlfühlt und mit der man während mehrerer Vorsorgeuntersuchungen ein Vertrauensverhältnis aufbaut. Die Entscheidung, ob tatsächlich eine Hausgeburt möglich ist, trifft die Schwangere dann gemeinsam mit dieser Hebamme. Zu den Grundvoraussetzungen für eine Geburt in den eigenen vier Wänden zählen ein komplikationsloser Schwangerschaftsverlauf sowie ein guter allgemeiner Gesundheitszustand der Mutter. Liegen dagegen chronische Krankheiten – wie beispielsweise Diabetes – oder eine Beckenendlage des Kindes vor, so stellt eine Hausgeburt keine Option dar.
Bei etwa 15 Prozent aller Hausgeburten entscheidet sich die begleitende Hebamme aufgrund von Komplikationen, wie zum Beispiel schlechter Herztöne beim Kind, vorsichtshalber für eine Verlegung in die Klinik: Daher sollte die Fahrt von der Wohnung bis zum nächsten Krankenhaus nicht mehr als 20 Minuten dauern.

Hausgeburt mit HebammeVorbereitung der Hausgeburt

Da der Partner bei einer Hausgeburt stark eingebunden wird, ist es sinnvoll, gemeinsam einen Geburtsvorbereitungskurs zu besuchen – vielleicht sogar bei der Hebamme, die dann die Geburt betreuen wird. Von ihr erhält man auch eine To-do-Liste: Unter anderem sollen für die Geburt eine wasserfeste Unterlage, ausreichend Handtücher sowie eventuell ein Heizlüfter vorhanden sein. Da manchmal eine Fahrt in die Klinik notwendig wird, sollte zudem eine Betreuung für die älteren Geschwister organisiert werden. Auch ist es ratsam, sich vorsorglich in der Klinik vorzustellen und anzumelden.

Ablauf der Hausgeburt

Rund um dem voraussichtlichen Geburtstermin befindet sich die Hebamme Tag und Nacht in Rufbereitschaft, so dass sie bei Geburtsbeginn mitsamt ihrer Ausrüstung rasch vor Ort ist. In der Regel zählen ein mobiles CTG sowie ein Notfallkoffer mit einer Sauerstoffflasche und einer Beatmungsmaske für Neugeborene zum Equipment einer Hausgeburtshebamme. Meist kommen jedoch nur homoöpathische und naturheilkundliche Arzneimittel zum Einsatz. Ein Arzt wohnt einer Hausgeburt in der Regel nicht bei und auch schmerzstillende Maßnahmen wie eine PDA stehen nicht zur Verfügung.

Die Hebamme begleitet die Gebärende in den Wehen sehr einfühlsam und bietet verschiedene Gebärpositionen an. Ist das Baby auf der Welt, so untersucht sie es, wäscht es bei Bedarf und hüllt es in warme Kleidung. Anschließend versorgt die Hebamme eventuelle Dammverletzungen der Mutter und bleibt noch für etwa drei Stunden bei der jungen Familie: In dieser Zeit unterstützt sie die ersten Stillversuche, kontrolliert die Nachblutungen und hilft dem Vater beim Aufräumen oder der Mutter beim Duschen.

Im Wochenbett

Auch in den folgenden Tagen besucht die Hebamme die Familie regelmäßig, um die Entwicklung des Kindes sowie die Rückbildung der Gebärmutter und den Wochenfluss zu beobachten. Gerne hilft sie auch bei der Säuglingspflege und gibt Tipps zum Stillen. Damit sich die Wöchnerin gut von den Strapazen der Geburt erholen kann, sollte die Familie bereits während der Schwangerschaft Hilfe für den Haushalt und eine Betreuung für die älteren Geschwister organisiert haben. Da zwischen dem vierten und zehnten Lebenstag des Neugeborenen zudem die U2 erfolgen muss, sollte auch schon ein Kontakt zu einem Kinderarzt bestehen.

Vorteile einer Hausgeburt

Die gewohnte Umgebung sowie das Vertrauensverhältnis zur Wunsch-Hebamme erleichtern es der Gebärenden, sich zu entspannen und den Wehenschmerz besser zu verarbeiten. Ebenso treten nach einer Hausgeburt seltener Stillprobleme sowie Wochenbettdepressionen auf, während die Neugeborenen weniger oft von Verdauungsproblemen geplagt werden und daher häufig eine sehr ausgeglichene Stimmung an den Tag legen.

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