Geburtsplan

In einem Geburtsplan formulieren Sie, wie Sie sich die Geburt Ihres Kindes idealerweise vorstellen: Auf ein oder zwei Seiten teilen Sie so der Hebamme beziehungsweise dem Arzt mit, welche Wünsche Sie haben und welche Dinge Sie während der Geburt sowie in den ersten Stunden danach möglichst vermeiden möchten. Diese Wunschliste, die Sie in den letzten Schwangerschaftswochen erstellen, geben Sie entweder bereits bei der Anmeldung im Krankenhaus ab oder packen sie in Ihren Klinikkoffer. Zwar unterzeichnen Sie Ihren Geburtsplan am Ende, eine rechtlich bindende Wirkung besitzt er jedoch nicht: Schließlich können Sie den tatsächlichen Verlauf der Geburt nicht vorhersagen. Bei Komplikationen muss selbstverständlich immer zum Wohl des Kindes und der Mutter entschieden werden. Möglicherweise unterbreiten der Arzt oder die Hebamme Ihnen auch Vorschläge, die Sie während der Geburtsvorbereitung nicht bedacht haben.

Was kann ein Geburtsplan beinhalten?

– Wer soll Sie zur Geburt begleiten? Soll Ihre Begleitung ständig anwesend sein oder den Kreißsaal beispielsweise während einer Untersuchung verlassen?

– Möchten Sie während der Geburt Ihre eigene Kleidung tragen? Möchten Sie eine bestimmte Musik hören? Möchten Sie Fotos oder Videoaufnahmen von der Geburt?

– Soll die Hebamme Sie nach eigenem Ermessen unterstützen oder nur auf Ihre Bitte hin?

– Im Bett kniend, auf dem Gebärhocker oder in der Badewanne – Welche Geburtsposition wünschen Sie sich?

– Wie stehen Sie zu den verschiedenen Methoden der Schmerzbehandlung? Bevorzugen Sie bei Bedarf eine PDA oder naturheilkundliche Verfahren wie Homöopathie, Massagen oder Akupressur?

– Möchten Sie eine Dammschnitt möglichst vermeiden oder stellt er für Sie ein probates Mittel dar, um den Geburtsvorgang zu beschleunigen?

– Akzeptieren Sie den Einsatz von Wehentropf, Saugglocke oder Geburtszange?

– Im Falle eines Kaiserschnitts: Welche Betäubungsmethode wünschen Sie? Wer soll im OP anwesend sein? Möchten Sie Ihr Kind danach sofort auf den Bauch gelegt bekommen oder soll zuerst Ihr Partner das Neugeborene in Empfang nehmen?

Endlich ist das Baby da – Wie soll es jetzt weitergehen?

In einem Geburtsplan haben Sie auch die Möglichkeit, darzulegen, wie Sie die ersten Stunden und Tage mit Ihrem Neugeborenen gestalten möchten und was das Klinikpersonal im Umgang mit Ihrem Baby beachten soll:

– Wollen Sie warten, bis sich die Plazenta von selbst löst oder soll die Nachgeburt mithilfe einer Injektion beschleunigt werden?

– Wünschen Sie die Entnahme und Einlagerung des Nabelschnurbluts?

– Bestehen Sie aufgrund Ihres religiösen oder kulturellen Hintergrunds auf bestimmte Riten oder Traditionen?

– Möchten Sie nach der Geburt möglichst schnell nach Hause entlassen werden?

– Bevorzugen Sie Rooming-In oder sollen die Säuglingsschwestern Ihnen Ihr Baby anfangs nur zum Füttern beziehungsweise Stillen bringen?

– Erlauben Sie dem Klinikpersonal, Ihrem Kind einen Schnuller zu geben?

– Sollte eine Verlegung nötig sein, so können Sie festlegen, ob Ihr Partner das Baby begleitet oder Sie selbst in die gleiche Klinik verlegt werden möchten.

Die Vorteile eines Geburtsplans

Die Erstellung eines Geburtsplans zwingt Sie quasi, sich lange vor Einsetzen der Wehen mit dem Geburtsablauf auseinanderzusetzen und sich darüber klar zu werden, wie Sie dieses elementare Erlebnis individuell gestalten möchten. In diesem Sinne stellt der „Wunschzettel“ ein wichtiges Element einer bewussten Geburtsvorbereitung dar.
Wenn Sie dann in den Wehen liegen, dient der Geburtsplan zur Entlastung: Sie brauchen keine zusätzliche Energie aufwenden, um die Hebamme oder den Arzt über Ihre Wünsche in Kenntnis zu setzen. Als besonders wertvoll erweist sich der Plan zudem dann, wenn während der Geburt ein Schichtwechsel ansteht und Sie Ihre Anliegen mehrmals vorbringen müssten.
Nicht zuletzt zeigen Sie mit einem sorgfältig formulierten Geburtsplan Selbstbewusstsein: So weiß das Klinikpersonal, dass Sie gut informiert und vorbereitet in den Kreißsaal gehen und sich die Kontrolle über den Geburtsvorgang nicht leichtfertig aus der Hand nehmen lassen werden.

Allerdings sollten Sie sich nicht zu sehr auf Ihre Vorgaben fixieren: Ein schwieriger Geburtsverlauf oder das Auftreten von Komplikationen können jederzeit ein deutliches Abrücken von Ihren Vorstellungen erfordern: Selbst wenn Sie Ihr ganzes Herzblut in den Geburtsplan gesteckt haben, müssen Sie dann in der Lage sein, sich rasch auf die veränderte Situation einzustellen.